Henning Mankell: Der Feind im Schatten +

Dieser Mankell und ich haben wirklich schwer zueinander gefunden, um nicht zu sagen “gar nicht”. Ich weiß gar nicht, wann sich die Lektüre eines Krimis zuletzt so hingezogen hat, erst bei den letzten 100 Seiten war ich an einem Punkt angekommen, wo es mir gelegentlich schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen.

Zunächst war ich erst einmal überrascht: irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass mit “Vor dem Frost” die Ära Kurt Wallander beendet ist. Dieses Buch nun steckte ich in der Bibliothek ein, ohne den Klappentext allzu genau zu lesen und stellte dann erstaunt fest, dass Kurt doch noch einmal die Hauptperson ist, Linda hingegen taucht nur in einer Nebenrolle auf. Nach der Lektüre bin ich nun überzeugt, dass es keine gute Idee war, den alten Herrn nochmal in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Geschichte beginnt damit, dass Linda ein Kind bekommt. Ihr Lebensgefährte Hans stammt aus einer Adelsfamilie, sein Vater Hakon von Enke ist ein verdienstvoller Korvettenkapitän in Rente. Zu dessen 75. Geburtstag begleitet Kurt die kleine Familie und wird von Hakon ins Vertrauen gezogen. Ihn beschäftigt ein Vorfall aus den 80ern, zur Blütezeit des kalten Krieges. Damals wurde ein russisches U-Boot von der schwedischen Marine in schwedischen Gewässern gestellt und in die Enge getrieben, doch bevor es zum Auftauchen gezwungen werden konnte, wurde ein Befehl zum Abzug gegeben. Bis heute lässt dieser Vorfall Hakan keine Ruhe, für ihn war dieses Verhalten Landesverrat. Er hat ausgiebig recherchiert, doch er ist nur auf zahlreiche Spionagegerüchte gestoßen, ohne herauszufinden, wer für den Befehl verantwortlich war.

Wenig später verschwindet Hakan spurlos. Und Kurt Wallander wird von seiner Tochter und von Hans darum gebeten, Spuren zu suchen. Wallander findet einiges über die Familie und Hakans Arbeit heraus, kann aber keinen entscheidenden Durchbruch erzielen. Dann verschwindet auch Louise, Hakans Ehefrau. Und Wallander muss alle Puzzleteile neu zusammensetzen.

Was mich bei diesem Buch am meisten gestört hat, war der verschwurbelte Stil. Mankell war sicherlich noch nie ein literarischer Virtuose, aber bislang fand ich seine Krimis doch immer recht lesbar. Dieses Mal musste ich einige Sätze von vorne beginnen, weil ich vor lauter Einschüben am Ende vergessen hatte, worum es eigentlich ging. Das kann natürlich auch an der Übersetzung liegen.

Dann passiert in diesem Buch verdammt wenig, und wenn etwas passiert, dann ist es meist unnötige Rahmenhandlung (die Episode mit einer Anhalterin beispielsweise). Wallander geht viel spazieren, fährt viele Kilometer Auto, hadert mit dem Alter und denkt nach. Und das über knapp 600 Seiten. Am Ende ist alles anders als gedacht (wenn ich es auch nicht wirklich überraschend fand) und es bleiben jede Menge Fragen offen. Dafür wird angekündigt, dass Wallander nun definitiv nicht mehr ermittlen wird. Ich bitte darum, dass es dabei bleibt!

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