Liza Marklund: Lebenslänglich ++

Die Journalistin Annika Bengtzon steckt gewaltig in der Krise: ihr Mann Thomas hat sie verlassen und lebt nun bei seiner Geliebten, ihr Haus ist abgebrannt und zu allem Überfluss verdächtigt man sie auch noch der Brandstiftung. Privat läuft es also alles andere als rund. Und das wird in diesem Krimi ebenso ausführlich ausgebreitet wie der Kriminalfall. Natürlich ist es schön, wenn die Charaktere ausgearbeitet werden und nicht in eine 08-15-Schablone passen, dennoch bekomme ich Annika nicht wirklich zu fassen. Ich habe beim Lesen kein Bild von ihr vor Augen und sie weckt keinerlei Emotionen.

Der Kriminalfall macht da schon mehr her: der allseits beliebte Polizist David Lindholm liegt erschossen in seinem Schlafzimmer, Haupttatverdächtige ist seine Ehefrau Julia, die verwirrt im Badezimmer aufgefunden wird. Der gemeinsame Sohn ist verschwunden. Julia wird angeklagt, Mann und Sohn ermordert zu haben, ihr droht lebenslange Haft. Annika kennt Julia von einer früheren Reportage und stürzt sich in die Arbeit. Sie hält es für möglich, dass Julia unschuldig ist, auch wenn die Beweislage erdrückend ist.

Die Story ist interessant konstruiert. Der Polizist ist nach außen ein toller Kerl und Held, doch hinter der Fassade tun sich Abgründe auf. Leider wird der Aufbau immer wieder durch das überfrachtete Beiwerk unterbrochen, das schon erwähnte turbulente Privatleben Annikas, Krise in der Zeitungsbranche, politische Ränkespiele. Besonders ärgerlich fand ich die ständigen Wechsel der Perspektive, so ziemlich jede Figur, die vorkommt, steht irgendwann mal im Mittelpunkt. Dadurch werden soviele Details geliefert, dass man den eigentlichen Handlungsstrang fast aus den Augen verliert. Ist vielleicht auch besser so, dann fällt nicht so ins Gewicht, dass doch arg viele Zufälle zusammenspielen, außerdem bleibt am Ende einiges im Dunkeln. Das wird dann im Folgeband “Kalter Süden” teilweise aufgelöst, glaube ich zumindest. Denn auch wenn ich den Nachfolger schon lange vorher gelesen hatte, war er nicht so einprägsam, dass ich mich noch an Details erinnern könnte. Ich fürchte, Annika Bengtzon und ich werden keine enge Freunde mehr.

 

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