Daniel Suarez: Daemon. Die Welt ist nur Spiel ++


Totaler Mist! Stumpfes Gemetzel! Kann man trotzdem nicht aus der Hand legen! Zu diesem Buch habe ich äußerst zwiespältige Gefühle. Suarez entwickelt ohne Zweifel eine temporeiche, spannende Geschichte: der steinreiche Spielentwickler Matthew Sobol stirbt und hat sich für sein Ableben ein perfides Szenario gebaut – computergesteuert tötet er und baut langsam ein Netzwerk auf, das Leben verändern kann. Er rekrutiert Online-Gamer, die mit technischem Gerät ausgestattet werden, so dass sie sich in der Realität wie in einem Computerspiel bewegen können. Und alles wird von der von Sobol entwickelten künstlichen Intelligenz, dem Daemon, gesteuert. Schon bald stellt sich die Frage, wer eigentlich die Welt kontrolliert?

Polizist Pete Sebeck versucht, Sobol aufzuhalten. Unterstützt wird er dabei vom Computerspezialisten John Ross, der die Spiele von Sobol wie seine Westentasche kennt. Er ahnt als einziger, welche Auswirkungen die Machenschaften des Daemons haben könnten.

Die Idee hinter der Story finde ich genial. Und sie ist gar nicht so weit hergeholt. Head-up-Displays gibt es bereits, Online-Rollenspiele boomen, und dass Computerkriminalität eine Wachstumsbranche ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Und da Suarez beim Erzählen ordentlich Gas gibt, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Das ist der Hauptgrund dafür, dass diese Rezension kein totaler Verriss geworden ist und es noch zwei ++ als Bewertung gibt. Denn ich war erst wieder für andere Dinge ansprechbar, als ich die Lektüre beendet hatte.

Jetzt kommt das große ABER. Suarez Stil ist äußerst gewöhnungsbedürftig, ebenso wie die deutsche Übersetzung. Es wimmelt nur so von Fachbegriffen und Game-Slang. Echte Nerds (wenn Ihnen dieser Begriff nicht geläufig ist, dann werden Sie mit dem Buch wahrscheinlich nichts anfangen können) werden Ihren Spaß daran haben, für alle anderen erschwert es den Zugang ungemein. Zumal bei der Übersetzung teilweise holprig eingedeutscht wurde. Auch die Vielzahl der Charaktere sorgte bei mir mitunter für Verwirrung. Zumal bei allen nur an der Oberfläche gekrazt wurde. Am schlimmsten fand ich aber das letzte Drittel. Die Handlung artet in ein blutiges Gemetzel aus, um am Ende alle Fragen offen zu lassen. Hier wurde schon ganz gezielt auf die Fortsetzung gesetzt.

Auch nach dem Schreiben dieser Zeilen fällt es mir immernoch schwer, mein Fazit zu diesem Buch zu ziehen. Möge der geneigte Leser selbst entscheiden, was er davon hält.

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